Prof. Dr. Thorsten Jungmann (Stand 2026-05-19)

Bezug zu ET2-08 Induktivität und Reale Spule


Aufgabe

In einer industriellen Schweißanlage wird der Schweißstrom durch einen Gleichrichter aus dem 50-Hz-Netz gewonnen. Damit der gleichgerichtete Strom möglichst gleichmäßig fließt, sitzt zwischen Gleichrichter und Lichtbogen eine Glättungsdrossel mit Eisenkern. Bei der Auslegung der Anlage soll die Impedanz dieser Drossel bei Netzfrequenz bestimmt und geprüft werden, ob das vereinfachte Spulenmodell (ohne ) gerechtfertigt ist.

  • Induktivität der Glättungsdrossel:
  • Kupferwiderstand der Wicklung:
  • parasitäre Wicklungskapazität:
  • Betriebsfrequenz (Netzfrequenz):

Der Eisenverlustwiderstand darf in dieser Aufgabe vernachlässigt werden ().

a) Berechnen Sie die Kreisfrequenz und den induktiven Blindwiderstand bei Netzfrequenz.
b) Berechnen Sie den Betrag der Spulenimpedanz im vereinfachten Modell (ohne ).
c) Berechnen Sie die Eigenresonanzfrequenz der Drossel.
d) Beurteilen Sie, ob die Vernachlässigung von bei Netzfrequenz gerechtfertigt ist.

◀️ zur Aufgabe


Lösung

Gegeben

Explizit gegeben:

  • wird vernachlässigt

Bekannt:

  • Kreisfrequenz:
  • Induktiver Blindwiderstand (ET2-04):
  • Vereinfachte Spulen-Impedanz (ET2-08): , Betrag
  • Eigenresonanzfrequenz (ET2-08):

Gesucht

a) in und in
b) in
c) in
d) Bewertung des Vernachlässigungs-Ansatzes

a) Kreisfrequenz und induktiver Blindwiderstand

b) Betrag der Spulen-Impedanz

Im vereinfachten Modell liegt in Reihe mit der idealen Induktivität, und werden vernachlässigt:

Betrag über Pythagoras:

c) Eigenresonanzfrequenz

d) Beurteilung der Vernachlässigung

Das Verhältnis von Eigenresonanz- zu Betriebsfrequenz beträgt:

Die Eigenresonanz liegt also rund drei Größenordnungen oberhalb der Netzfrequenz. Damit ist die Bedingung aus dem Lektionstext eindeutig erfüllt — die parasitäre Kapazität darf bei Netzfrequenz problemlos vernachlässigt werden. Das vereinfachte Modell beschreibt die Drossel im Betrieb hinreichend genau.

Größenordnungs-Check

dominiert klar gegenüber — die Glättungsdrossel verhält sich bei Netzfrequenz überwiegend induktiv. Das ist gewollt: Die induktive Wirkung glättet den pulsierenden Strom nach dem Gleichrichter, der ohmsche Anteil wäre nur Verlust.

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